Covid-19: 8. Lagebericht des Generals

Rom, 31 Juli 2020

COVID - 19 (8)

 

An alle Brüder, Mitarbeiter und Mitglieder der Hospitalfamilie des heiligen Johannes von Gott


Liebe Brüder, Mitarbeitende und Freunde,

 

erneut wende ich mich an Sie, um Sie über die Coronavirus-Pandemie und ihre Auswirkungen auf den Orden zu informieren. Seit Anfang des Jahres hat die Pandemie, mit einigen Unterschieden, alle Kontinente und alle Länder der Welt erreicht, auch wenn die Folgen für uns alle in den Bereichen Gesundheit und Wirtschaft sowie auf sozialer, psychologischer und spiritueller Ebene spürbar sind.

 

Die Covid-19-Infektionen nehmen weiter zu: Bis heute haben sich weltweit fast 17 Millionen Menschen infiziert, von denen mehr als 660.000 gestorben sind. Die Vereinigten Staaten, Brasilien und Indien sind die Länder mit den meisten Fällen. Neben ihnen sind zurzeit einige lateinamerikanische Länder, wie Mexiko, Peru, Chile, Argentinien und Bolivien, besonders stark von der Pandemie betroffen. Wir können nur hoffen, dass in den kommenden Monaten die Inzidenz und die Kraft des Virus in diesen hart getroffenen Ländern abnimmt.

 

In Afrika waren die Auswirkungen bisher nicht so stark, aber allmählich häufen sich auch dort die Corona-Infektionen, insbesondere in Südafrika und einigen anderen Ländern. Gegenwärtig ist die Situation in den Ländern, in denen der Orden in Afrika präsent ist, relativ unter Kontrolle, und in unseren afrikanischen Zentren haben wir bisher kaum Corona-Patienten gehabt.

 

In Europa und in Ländern wie China, Korea, Australien und anderen, die zu Beginn der Pandemie schwere Zeiten durchlebt haben, ist die Situation besser, auch wenn es lokale Ausbrüche mit Neuinfektionen gibt, die für uns alle Mahnung sein sollten, weiter vorsichtig zu sein und alle vorgesehenen Schutzmaßnahmen zu befolgen, auch wenn dies erneute Einschränkungen erfordern sollte. An einigen Orten tut man sich schwer, die neuen Infektionsherde unter Kontrolle zu bringen, und es wird sogar von der Möglichkeit weiterer Ausbrüche in den kommenden Monaten gesprochen. Letztendlich muss uns allen klar sein, dass wir uns daran gewöhnen müssen, mit dem Virus zu leben, solange es keinen wirksamen Impfstoff gibt.  

 

Was die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Orden betrifft, so liegt der Brennpunkt weiterhin in Amerika, insbesondere in Südamerika, wie ich bereits in meiner letzten Mitteilung berichtet habe. Einige Häuser haben schwierige Zeiten durchgemacht oder durchleben gerade schwierige Zeiten. Die aktuellen Daten sind: 330 infizierte Mitarbeitende, von denen einer verstorben ist; 779 Corona-Patienten, von denen 21 verstorben sind, sowie 3 positiv getestete Brüder, von denen einer im Krankenhaus behandelt wird.

 

Was die Brüder betrifft, so haben sich unter Berücksichtigung der oben angegebenen Daten bis zu diesem Zeitpunkt 51 Brüder infiziert (davon sind 5 gestorben, wie ich in den vorhergehenden Mitteilungen berichtet habe), 43 haben sich zufriedenstellend erholt.

 

Die Zahl der Mitarbeitenden, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden, hat sich geringfügig erhöht. Zusätzlich zu den neu hinzugekommenen Fällen in Lateinamerika, gibt es derzeit noch einige weitere auf den anderen Kontinenten, aber die Inzidenz ist im Moment, wie gesagt, sehr gering. Jedenfalls haben sich seit Beginn der Pandemie mehr als 1000 Mitarbeitende infiziert, von denen 3, wie wir bereits berichtet haben, gestorben sind.

 

Es ist schwierig, eine genaue Zahl der Corona-Patienten, die in unseren Krankenhäusern behandelt wurden, und derjenigen, die in unseren Wohn- und Sozialzentren positiv auf das Virus getestet wurden, anzugeben. Schätzungsweise dürfte ihre Zahl inzwischen bei ca. 5000 liegen. Davon sind ca. 500 gestorben. Lasst uns alle zum Herrn beten für die Mitglieder unserer Ordensfamilie, die von dem Virus betroffen sind, für alle Patienten in unseren Zentren und für alle Menschen auf der ganzen Welt, die unter den Auswirkungen der Pandemie leiden.     

    

Dies sind zum heutigen Zeitpunkt die wichtigsten Fakten zur Pandemie und zu ihren Auswirkungen auf die Welt und den Orden. Wie ich bereits sagte, wissen wir nicht, wie sich die Pandemie weiter entwickeln wird, aber es ist klar, dass wir weiterhin mit ihr leben müssen, zumindest bis es einen wirksamen Impfstoff gibt. Es stimmt zwar, dass wir immer mehr über das Virus wissen und lernen und deswegen besser damit umzugehen in der Lage sind, auch wenn nicht alle Länder über die gleichen Mittel im Kampf gegen das Virus verfügen. Tatsache ist jedoch, dass die Pandemie einschneidende Folgen für die Weltwirtschaft und insbesondere für die Wirtschaft vieler Länder hat, die bereits vorher in einer schwierigen Lage waren. Die Pandemie hat die prekäre Lage dieser Länder zusätzlich verschärft und die medizinische Versorgung, Arbeitslosigkeit, Armut, Hunger und andere Krankheiten verschlimmert. In diesem Sinne habe ich in meiner vorherigen Mitteilung von einer "neuen Normalität" gesprochen, die natürlich wenig mit der Normalität zu tun hat, an die wir bisher gewohnt waren.

 

Es sind jetzt etliche Monate, dass wir erleben, wie die Pandemie immer weiter um sich greift. Da ist es normal, dass Unsicherheit und manchmal auch Pessimismus wachsen. Wenig behilflich dabei waren leider die Entscheidungen und Handlungen bestimmter politischer Entscheidungsträger, die pädagogisch in die falsche Richtung gingen und über die wir alle aus den Medien erfahren haben. Deshalb ist es heute mehr denn je wichtig, weiterhin an alle, insbesondere an die jungen Menschen, zu appellieren, Verantwortung und Solidarität gegenüber den Menschen zu zeigen, die am meisten gefährdet sind: alte Menschen, Menschen mit chronischen Krankheitsbildern, Arme, Randgruppen sowie all denjenigen, die durch den Verlust ihres Arbeitsplatzes und anderer sozialer, psychologischer und spiritueller Umstände am unmittelbarsten unter den Folgen der Pandemie leiden.

 

Angesichts der unverminderten Ausbreitung der Pandemie, möchte ich noch einmal betonen, dass die beste Garantie, um richtig mit dieser Situation umzugehen, die Hospitalität ist. Wir können sagen, dass wir als Johann von Gott-Familie zurzeit einen charismatischen Notstand erleben, in dem wir das Beste von uns in den Dienst der Armen, Kranken und Bedürftigen stellen müssen, und zwar nicht nur zur Bewältigung der aktuellen Gesundheitskrise, sondern auch zur Bewältigung der wirtschaftlichen und sozialen Krise, die auf uns zukommt. Ich weiß, dass man überall im Orden große Anstrengungen unternimmt, eine angemessene charismatische Antwort auf die derzeitige Notlage zu geben. Aus diesem Grund möchte ich noch einmal allen Brüdern, Mitarbeitenden und Freunden der Familie des heiligen Johannes von Gott aufrichtig für den Einsatz und Dienst an der Seite der Menschen, die von der Corona-Krise betroffen sind, danken. Sie geben damit ein leuchtendes Zeugnis für die Hospitalität, die uns der heilige Johannes von Gott als Erbe hinterlassen hat.

 

Die Auswirkungen der Corona-Krise beeinflussen nach wie vor die Dynamik und das Leben des Ordens. Unsere Mobilität ist weiterhin stark eingeschränkt. Zahlreiche der geplanten Aktivitäten können nur auf telematischem und virtuellem Weg durchgeführt werden, sowohl auf Ebene der Generalkurie wie auch auf Ebene der Provinzkurien. Im Prinzip ist es zurzeit nur in Europa möglich, sich relativ frei zu bewegen. Tatsächlich konnten wir hier inzwischen einige Treffen mit der Präsenz der Teilnehmenden abhalten. Ob dies auch in Zukunft möglich sein wird, wird die Entwicklung in den kommenden Monaten zeigen.

 

Vor einigen Tagen hielten die Mitglieder des Generaldefinitoriums eine Videokonferenz ab, um einige wichtige Themen zu behandeln und über die aktuelle Situation in den verschiedenen Regionen des Ordens zu berichten. Dabei wurde unter anderem angesichts der Tatsache, dass die für die erste Oktoberwoche in Rom geplante Provinziale-Konferenz abgesagt werden musste, beschlossen, separate Treffen des Generaldefinitoriums mit den Provinzialen nach Regionen zu organisieren, um zumindest einige der geplanten Themen zu bearbeiten und einige Dokumente zur Umsetzung in den Provinzen vorzustellen. Einige Dokumente werden demnächst den Provinzialen zum Studium und zur Lektüre zugehen. Die schriftliche Einladung zu diesen Treffen wird in der ersten Septemberhälfte erfolgen. Die Treffen werden in Form von Videokonferenzen durchgeführt und in den ersten zwei Oktoberwochen stattfinden. Nur das Treffen der Provinziale der europäischen Region ist in Form einer Präsenzsitzung vorgesehen, vorausgesetzt, die Pandemie lässt es zu. Es wurde auch vereinbart, zu versuchen, so viele Sitzungen der General- und Regionalkommissionen wie möglich per Videokonferenz abzuhalten, die für dieses Jahr geplant sind. Alle anderen Aktivitäten in Form von Präsenzsitzungen bleiben abgesagt, solange nicht eine entsprechende Mobilität erlaubt ist.

 

Ich schließe dieses Mal mit einigen Worten aus einem Schreiben mit dem Titel "Lasst uns füreinander sorgen, wie Gott der Erlöser für uns sorgt", mit dem sich die Vorsitzenden der Generaloberinnenkonferenz bzw. Generaloberenkonferenz, Schw. Jolanta Kafka RMI und P. Arturo Sora SJ, am 29. Juni 2020 an die Ordensleute in aller Welt gewandt haben:

 

"Der Herr Jesus hat versprochen, dass er jeden Tag bis zum Ende der Geschichte bei uns bleiben wird, und hat uns seinen Geist geschenkt, damit wir uns an alles erinnern, was er vom Vater gelernt und uns, seinen Jüngern, weitergegeben hat.

 

Als Ordensleute sind wir aufgerufen, die Zärtlichkeit Gottes zu bezeugen und zu zeigen, dass sich Gott, in und durch Jesus, um alle Menschen kümmert; wir sind aufgerufen, uns um das Leben der vielen „ausrangierten“ Menschen zu kümmern, deren Zahl sich durch die Pandemie infolge der ungerechten Strukturen unserer Welt exponentiell vervielfacht hat, weil man nicht fähig ist, den Menschen und das Gemeinwohl in den Mittelpunkt der lokalen, nationalen und globalen politischen Entscheidungen zu stellen.

 

Wir sind aufgerufen, uns um die Gegenwart und die Zukunft der Menschheit in Bezug auf die Umwelt zu kümmern, indem wir junge Menschen begleiten und von ihnen lernen, um den Sinn unseres Lebens und unserer Sendung als Personen des geweihten Lebens zu erneuern.

 

Angesichts so viel Achtlosigkeit, die durch die Pandemie deutlich geworden ist, wollen wir als Ordensleute Prozesse in Gang setzen, die uns zu einer Kultur der Achtsamkeit führen, und zwar durch einen tiefen Dialog mit unseren Weggefährten im Apostolat, damit unter größtmöglicher Achtung des Gewissens und der Berufung eines jeden ein Klima der gemeinsamen Entscheidungsfindung entsteht, die unser apostolisches Programm erhellt und dazu beiträgt, alle Dinge in Christus zu versöhnen. Sich um andere kümmern und andere um sich kümmern lassen, ist der Weg, um als Ordensleute in einer universellen Dimension zu wachsen."

 

Treten wir in dieser Zeit der Pandemie mutig für eine Kultur der Achtsamkeit ein, besonders gegenüber den Schwächsten und Verletzlichsten, damit die Hoffnung und Zuversicht, die der Gott des Lebens uns schenkt, weiterhin das Leben der Menschen erfüllen. Kümmern wir uns umeinander, mit der Zärtlichkeit und Gastfreundschaft, mit der sich Gott um uns kümmert!

 

Im Band der Hospitalität und des Gebets grüßt Sie brüderlich

 

Frt. Jesús Etayo

Generalprior



Rom, 30. Juni 2020

COVID - 19 (7)


An alle Brüder, Mitarbeiter und Mitglieder der Hospitalfamilie des heiligen Johannes von Gott


Liebe Brüder, Mitarbeitende und Freunde,


vor circa einem Monat habe ich Ihnen zum letzten Mal über die Coronavirus-Pandemie und ihre Auswirkungen auf unsere Ordensfamilie weltweit geschrieben. Bedauerlicherweise haben sich die Dinge in der Zwischenzeit nicht verbessert. Es hat sich zwar die geographische Ausbreitung verändert, aber die Realität ist, dass sich das Virus weiterhin in beunruhigender Weise verbreitet und sich immer mehr Menschen anstecken. Gegenwärtig sind fast zehn Millionen Menschen mit Covid-19 infiziert, von denen etwa eine halbe Million gestorben und fünf Millionen geheilt worden sind.


Das Epizentrum der Pandemie liegt nicht mehr in Europa, sondern hat sich nach Amerika verlagert, sowohl nach Nordamerika, insbesondere in die Vereinigten Staaten, als auch nach Mittel- und Südamerika, wobei Brasilien, Peru, Chile und Mexiko am stärksten betroffen sind, obwohl die Situation auch in anderen Ländern der Region besorgniserregend ist.


Ein weiterer wichtiger Brennpunkt der Pandemie ist Indien mit inzwischen mehr als einer halben Million Infizierten und mehr als 15.000 Toten. Auf dem afrikanischen Kontinent grassiert die Coronavirus-Pandemie derzeit nicht so stark, obwohl die Zahl der Infektionen steigt und befürchtet wird, dass sie später stark zunehmen könnte, was hoffentlich zum Wohl aller nicht eintritt.


In Europa und in Ländern wie China, Korea, Australien und anderen hat sich die Situation verbessert. Ausgangssperren und umfassende Quarantänemaßnahmen wurden wieder aufgehoben und es gibt eine Rückkehr zu dem, was man als "neue Normalität" bezeichnet, sprich ein Leben mit bestimmten Kontroll- und Sicherheitsmaßnahmen. Das Ziel dieser Maßnahmen ist es, Rückschritte zu vermeiden, die zu neuen Einschränkungen führen würden. Bisher konnten neu auftretende Infektionsherde schnell und wirksam unter Kontrolle gebracht werden. Trotzdem besteht vonseiten der Spezialisten die Befürchtung, dass es im Herbst oder Winter zu einer neuen Ansteckungswelle kommen könnte. Diese neue Normalität wird zumindest solange bestehen bleiben, bis es einen wirksamen Impfstoff gibt, dessen Entwicklung aber noch einige Zeit dauern dürfte, auch wenn die Prüfungs- und Testphasen verkürzt wurden.


Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Orden haben sich je nach Epizentrum geändert. Solange Europa das Epizentrum war, waren die Folgen dort in bestimmten Teilen bekanntlich sehr heftig. Im Moment ist das Infektionsgeschehen stark zurückgegangen und die Situation scheint im Großen und Ganzen unter Kontrolle zu sein.


Was die Brüder des Ordens betrifft, so gibt es heute auf der ganzen Welt keinen Bruder mehr, der infiziert ist. Insgesamt haben sich bis heute 47 Brüder infiziert, von denen fünf, wie ich in früheren Mitteilungen berichtete, gestorben sind und 42 sich zufriedenstellend erholt haben.


Die Zahl der Mitarbeiter, die bisher positiv auf das Coronavirus getestet wurden, ist sehr hoch. Alle sind bis auf drei, die leider gestorben sind, wieder genesen. Wir haben zwar keine genaue Zahl, wie viele Mitarbeitende bisher infiziert wurden, aber es sind mindestens 800. Davon sind immer noch ca. 200 positiv, vor allem in Einrichtungen in Nord- und Südamerika. Dazu kommen einige wenige in Europa und sehr wenige in Afrika.


Zählt man die mit dem Coronavirus infizierte Patienten, die in unsere Krankenhäuser eingeliefert wurden, und Heimbewohner, die in unseren Pflege- und Sozialeinrichtungen positiv auf das Virus getestet wurden, zusammen, so können wir sagen, dass es bis heute an die 4000 Corona-Fälle in unseren Häusern gegeben hat, von denen ca. 400 gestorben sind.


Dies sind die groben Daten darüber, wie sich die Covid-19-Pandemie bisher unter gesundheitlichem und medizinischem Gesichtspunkt auf den Orden ausgewirkt hat. Wie ich bereits in früheren Mitteilungen angedeutet habe, gibt es jedoch auch andere Bereiche, die von der Pandemie stark betroffen sind, wie zum Beispiel das wirtschaftliche, soziale und auch das spirituelle Leben. An einigen Orten wurden mit der gebotenen Vorsicht die wirtschaftlichen Aktivitäten in allen Sektoren wieder aufgenommen. Dennoch wird überall eine empfindliche Wirtschaftskrise erwartet, mit einem großen Verlust an Arbeitsplätzen für viele Menschen, was zu vielen Schwierigkeiten auf sozialer und familiärer Ebene führen wird. Dazu kommt, dass heute niemand genau weiß, wie sich die Pandemie entwickeln wird. Eine Zuspitzung könnte ein noch schwierigeres und komplizierteres Szenario darstellen.


Vielerorts, vor allem dort, wo die Situation mehr unter Kontrolle zu sein scheint, ist von einer "neuen Normalität" die Rede. Ein wirklich neuer Ausdruck, der an sich schon impliziert, dass es sich nicht um eine echte Normalität handelt. Das liegt daran, dass wir, obwohl wir uns in vielen Bereichen wieder relativ frei bewegen können, dauernd "fast wie bedroht" fühlen, weil wir unsere Wachsamkeit angesichts eines möglichen und wahrscheinlichen Wiederaufflammens der Epidemie nicht verringern dürfen, was so auch richtig ist. Wir müssen die soziale Distanzierung wahren, Mund-Nasen-Schutzmasken tragen, uns häufig die Hände waschen und viele andere Dinge mehr. Wir können wieder ins Freie gehen, Mitbrüder, Angehörige, Freunde und Bekannte treffen, aber immer "mit Vorsicht". Auf jeden Fall ist das schon viel für jemand, der monatelang praktisch „zu Hause eingesperrt“ lebte. Wir können wieder arbeiten, aber mit Vorsicht, Sitzungen abhalten, aber mit der richtigen Distanzierung. Vor diesem Hintergrund hat auch die Arbeit im Homeoffice definitiv an Bedeutung gewonnen und sind die verschiedenen Online-Plattformen, die es uns ermöglichen, Videokonferenzen jeder Art abzuhalten, so wichtig geworden. Wir können wieder ins Restaurant, Kino usw. gehen und an bestimmte Orte reisen... aber immer "mit Vorsicht", und das solange, bis es einen wirksamen Impfstoff gibt.


Diese neue Normalität ist daher grundsätzlich von Unsicherheit geprägt. Wir dürfen und können in unserer Wachsamkeit nicht nachlassen. Die neue Normalität verlangt darüber hinaus viel Verantwortung, da das Ignorieren von Aufrufen zur Vorsicht auch andere beeinträchtigen kann. Altruismus und Solidarität sind gefragt, denn das Coronavirus bedroht das Leben der Menschen, unsere Lebensweise und sogar den Lebensunterhalt, wobei wie immer die Ärmsten und Verletzlichsten besonders bedroht sind. Aus diesem Grund müssen wir diese neue Phase der neuen Normalität im Zeichen der Hospitalität angehen, d.h. verantwortungsbewusst, uneigennützig, solidarisch, inklusiv und hellhörig für die Nöte der anderen.


In früheren Mitteilungen sagte ich Ihnen, während wir in vielen Teilen der Welt, insbesondere in Europa, im Lockdown lebten, dass dies die Stunde der Hospitalität ist. Heute sage ich das Gleiche für die Orte auf der Welt, an denen man noch mit starken Einschränkungen und Ausgangssperren lebt. Aber auch für diejenigen von uns, für die eine "neue Normalität" begonnen hat, bleibt dies die Stunde der Hospitalität. Dies ist die Stunde, aus uns herauszugehen und mit Verantwortung, Altruismus und Solidarität offen für die vielen Menschen zu sein, die durch die neue Situation in Unsicherheit und Prekarität leben. Ich lade noch einmal alle Brüder, Kommunitäten und Zentren ein, sensibel für die Bedürfnisse der Menschen in dieser Zeit zu sein und ihnen altruistisch, kreativ und mutig zu helfen. Bitte teilen Sie dem Generalsekretariat der Generalkurie Initiativen und Projekte mit, die von den Provinzen, Zentren und Konventen im Einklang mit dem, was ich gerade gesagt habe, durchgeführt werden. Es wäre schön, diese Initiativen zu teilen, z.B. dadurch, dass wir sie dem ganzen Orden über unsere Webseite bekannt machen.


Die Coronavirus-Pandemie hat natürlich auch die Arbeit und die Aktivitäten des Ordens, der Provinzkurien und der Generalkurie, stark beeinträchtigt. Wir mussten fast alle geplanten Reisen, Besuche und Treffen in Rom absagen. Während dieser Zeit haben wir mehrere Sitzungen des Generaldefinitoriums per Videoschalte abgehalten, um wesentliche Fragen des Ordens zu behandeln und zu beantworten. Am 25. Juni haben wir die letzte dieser Sitzungen abgehalten. Dabei wurde angesichts der voraussichtlichen weltweiten Entwicklung der Pandemie beschlossen, die für 2020 geplanten kanonischen Generalvisitationen sowie die für Anfang Oktober geplante Provinziale-Konferenz abzusagen. Sicherlich werden anstelle dieser Termine einige Treffen mit den Provinzialen online geplant, entweder nach Regionen oder nach Sprachen, um gemeinsam dringende Fragen zu behandeln und Informationen auszutauschen. Wir werden uns in der Generalkurie bemühen, die geplanten Sitzungen, Kommissionen und Arbeitsgruppen soweit möglich zumindest per Videokonferenz abzuhalten. Wenn sich an der aktuellen Situation nicht viel ändert, bleiben alle Präsenztreffen und Reisen, zumindest interkontinentale, bis auf weiteres abgesagt.


Ich möchte noch einmal allen Brüdern, Mitarbeitenden und Freiwilligen des Ordens für ihren beispielhaften Einsatz, ihren Dienst und ihr Engagement im Kampf gegen die Pandemie danken. Ich weiß, dass Sie ihre Arbeit oft unter sehr schwierigen Bedingungen erfüllt haben. Mit ihrem Beispiel ehren Sie die Gestalt des heiligen Johannes von Gott und vieler anderer Brüder und Mitarbeiter, die sich im Laufe der Geschichte des Ordens, ohne auf sich selbst zu schauen, vorbildhaft im Kampf gegen Leid, Armut und Krankheit eingesetzt haben, auch in Situationen schwerer Epidemien, die vielen Menschen das Leben gekostet haben. Das war und ist der Preis für gelebte Hospitalität. Lasst uns zum Herrn beten, dass niemand mehr sein Leben verliert und sich möglichst auch niemand mehr infiziert. Ansonsten seien wir jedoch wahre Barmherzige Brüder mit der gleichen Tiefe und Verantwortung wie unsere Vorgänger.


Ich schließe mit einigen inspirierenden Worten, die Papst Franziskus am 31. Mai 2020 in einem Schreiben an die Priester der Diözese Rom gerichtet hat:


»Jesus trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch!« (Joh 20,19-21).


Der Herr hat keine ideale Situation gewählt oder gesucht, um sich im Leben seiner Jünger Bahn zu brechen. Sicher hätten wir es vorgezogen, wenn all das, was passiert ist, nicht geschehen wäre. Aber es ist passiert. Und wie die Emmausjünger können auch wir weiter traurig auf dem Weg murren (vgl. Lk 24,13-21). Als der Herr bei verschlossenen Türen in das Obergemach trat, mitten in Isolierung, Angst und Unsicherheit, in der sie lebten, war er in der Lage, jede Logik zu verwandeln und der Geschichte und den Ereignissen eine neue Bedeutung zu verleihen. Jede Zeit ist geeignet, Frieden zu verkünden, keine Situation ist seiner Gnade beraubt. Seine Gegenwart inmitten des Eingeschlossen-Seins und der erzwungenen Abwesenheit kündet für die Jünger von damals wie für uns heute einen neuen Tag an, der Bewegungslosigkeit und Resignation in Frage zu stellen und im Dienst an der Gemeinschaft alle Gaben zu mobilisieren vermag. Durch seine Gegenwart ist das Eingeschlossen-Sein fruchtbar geworden und hat der neuen Gemeinschaft der Apostel Leben geschenkt."


Die Gegenwart des Herrn verwandelt alles. Möge inmitten von Ungewissheit und Schwierigkeiten die Hoffnung und das Vertrauen herrschen, die der Friede des Auferstandenen, der in unserer Mitte lebt, uns bietet.


Im Band der Hospitalität und des Gebets grüßt Sie brüderlich



Frt. Jesús Etayo

Generalprior



Rom, 20 Mai 2020

COVID - 19 (6)


An alle Brüder, Mitarbeiter und Mitglieder der Hospitalfamilie des heiligen Johannes von Gott


Liebe Brüder, Mitarbeitende und Freunde,


dies ist jetzt bereits der sechste Situationsbericht, den ich an Sie im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie sende. Die Pandemie hat sich inzwischen auf die ganze Welt ausgeweitet, auch wenn die Auswirkungen für die Bevölkerung von Land zu Land verschieden sind. Heute sind weltweit fast fünf Millionen Menschen als Covid-19-positiv diagnostiziert worden und mehr als 325.000 sind gestorben. Es gibt aber inzwischen auch viele Tausende von Menschen, die geheilt wurden. Die Pandemie bestimmt weiterhin unser Leben, an einigen Orten zum ersten Mal, an anderen hat man Angst vor neuen Ansteckungswellen. Alles wartet auf einen Impfstoff, der wirksam die Infektion abwehrt und die gesamte Weltbevölkerung schützt. Die Entwicklung und Anwendung eines solchen Impfstoffes wird jedoch noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Niemand kann sagen, wann es soweit sein wird.


In vielen Teilen der Welt verzeichnet man dank der ergriffenen restriktiven Notfallmaßnahmen einen deutlichen Rückgang der Infektionen und Todesfälle. Die Länder, in denen die Schutzmaßnahmen gegriffen haben, treten nun in eine neue Phase, mit weniger Einschränkungen, um allmählich zu einer "neuen Normalität" zurückzukehren, wie einige sagen. Es gibt jedoch die Befürchtung, dass man von neuen Ansteckungsquellen zurückgeworfen werden könnte. An anderen Orten gelten nach wie vor strenge Beschränkungen, an anderen erwartet man noch die virulenteste Phase des Coronavirus.


Was den Orden, seine Konvente und seine Zentren betrifft, so hat sich die Lage im Allgemeinen im Moment beruhigt. Die meisten Brüder, die sich infiziert haben, sind inzwischen wieder negativ, mit Ausnahme von drei, von denen wir hoffen, dass sie in den nächsten Tagen negativ getestet werden. Einige der Brüder, die wieder negativ sind, benötigen jedoch aufgrund der Folgen, die das Virus hinterlassen hat, weiterhin Behandlung und medizinische Versorgung.


Dasselbe gilt für unsere Mitarbeiter. Viele sind infiziert worden, aber Gott sei Dank geht es den meisten wieder gut. Es gibt immer noch eine bedeutende Gruppe, die in Quarantäne ist, und bedauerlicherweise haben wir auch den Tod eines Mitarbeiters in Kolumbien zu beklagen, der kürzlich am Coronavirus gestorben ist.


Auch die Zahl der Covid-19-Patienten, die in unseren Zentren behandelt werden, ist stark rückläufig. Es gibt immer noch mehrere Krankenhäuser, vor allem in Europa, die Patienten mit dem Coronavirus behandeln. Insgesamt wurden bei uns mehr als 2.000 Menschen mit Covid-19 behandelt, von denen etwa 300 gestorben sind.


In den Ländern, in denen man nun in die zweite Phase tritt, weil Ansteckungen und Todesfälle durch das Virus erheblich zurückgegangen sind, erkennt man, dass die Auswirkungen von Covid-19 nicht nur gesundheitlicher, sondern auch sozialer, wirtschaftlicher, spiritueller und institutioneller Natur sind. In der Tat wird viel über die Notwendigkeit diskutiert, die Beschränkungen aufzuheben und die Wirtschaft wieder zu öffnen, weil sonst die wirtschaftliche und soziale Krise, die wir erleben, immer tiefgreifender werden könnte.


Papst Franziskus sagt: "Die Glaubwürdigkeit der Kirche führt über den Weg der barmherzigen und mitleidenden Liebe" (Misericordiae Vultus, 10). In einem meiner vorherigen Berichte schrieb ich, dass dies die Stunde der Hospitalität ist. Es ist die Stunde zu bezeugen, dass der mitleidende und barmherzige Christus des Evangeliums unter den Menschen gegenwärtig ist (vgl. Konstitutionen des Ordens, 5). Es ist die Stunde, mit der gebotenen Vorsicht aus uns herauszugehen, um den Bedürftigen, sprich den Opfern dieser Pandemie, nicht nur auf gesundheitlicher, sondern auch auf sozialer, wirtschaftlicher und spiritueller Ebene zu helfen. So werden wir die Kirche glaubwürdig machen. So werden wir als Orden und Familie des heiligen Johannes von Gott glaubwürdig sein.


Auf institutioneller Ebene, d.h. auf der Ebene des Ordens, sehen wir aufgrund der durch die Pandemie verursachten Krise für viele Zentren und Werke des Ordens große Schwierigkeiten voraus. Es gibt bereits Zentren, die viele Dienste schließen mussten, andere, die ihre Tätigkeit stark eingeschränkt sehen, weil die Patienten ausbleiben. Daneben gibt es viele andere Gründe, die unsere Einrichtungen in eine Krise stürzen könnten. Wir müssen auf solche Krisensituationen vorbereitet sein und auf die bestmögliche Art und Weise gegensteuern, indem wir konkrete und zeitnahe Pläne entwickeln, um unsere Dienste und Ressourcen so anzupassen, dass keine übermäßigen Schulden entstehen, die später die Lebensfähigkeit unserer Einrichtungen in Frage stellen könnten. Wir müssen im Rahmen des Möglichen so eng wie möglich auf Provinzebene zusammenarbeiten, und wir müssen auch offen sein, anderen Provinzen und Zentren zu helfen, die aufgrund ihrer Situation und der Auswirkungen der Pandemie in besonders großer Not sind. Wie immer, vertrauen wir auf die Großzügigkeit und auf die Solidarität aller Werke und Personen unseres Ordens. Auch innerhalb des Ordens ist heute die Stunde der Hospitalität.


Auf sozialer Ebene nehmen die Probleme trotz der Bemühungen der Regierungen, den Menschen zu helfen, enorm zu: Viele Menschen verlieren ihren Arbeitsplatz, andere müssen ihre Unternehmen und Betriebe schließen, weil sie nicht mehr lebensfähig sind, vielen Menschen beginnt das Lebensnotwendige zu fehlen und sie müssen Hilfe um Essen, Kleidung und dem Notwendigsten beantragen. Andere haben nicht die Mittel, um weiterhin ihre Miete zu bezahlen, und werden höchstwahrscheinlich ihre Wohnungen usw. verlieren. All dies sind sehr traurige Situationen, die uns nicht untätig und gleichgültig lassen dürfen. Deswegen bitte ich Sie in dem Maße, in dem jede Provinz und jedes Haus dazu in der Lage ist, Räume der Solidarität und der Hilfe für die Menschen in Ihrer Umgebung zu schaffen, die in ernsthafter sozialer Not sind, einschließlich der Menschen, die in unseren apostolischen Werken arbeiten. Ich weiß, dass viele von Ihnen bereits so handeln, und ich weiß auch, dass es unter den gegebenen Umständen schwierig ist, allen zu helfen. Aber eine unserer Qualitäten ist ja Kreativität. Hospitalität findet immer neue Wege, um den Menschen zu helfen. Schauen wir dabei vor allem auf die Menschen, die in der Umgebung unseren Zentren leben und helfen wir ihnen, so gut wir können, vor allem bei grundlegenden Bedürfnissen, oder arbeiten wir mit anderen Einrichtungen zusammen, die sich wie wir um die Bedürftigsten kümmern, damit niemand zurückbleibt. Ich lade Sie alle ein, insbesondere die Brüder, Pioniere und Förderer solcher Projekte zu sein, denn heute ist mehr denn je die Stunde der Hospitalität... Wir müssen auch hier in vorderster Linie stehen.


Weitere einschneidende Folgen der Pandemie zeichnen sich auf Ebene der zwischenmenschlichen Beziehungen, der psychischen Gesundheit sowie in spirituellen und religiösen Fragen ab. In meinem vorhergehenden Bericht habe ich die Verantwortlichen und Mitarbeiter unserer geistlichen und religiösen Betreuungsdienste ermutigt, sich in dieser Zeit mit besonderer Achtsamkeit um diese Dimension bei den Patienten, ihren Familien und den Mitarbeitern zu kümmern. Ich möchte diese Einladung hier noch einmal bekräftigen und wende mich dabei nicht nur an die direkt Verantwortlichen, sondern an alle Brüder und Mitarbeitende und ganz allgemein an alle Mitglieder der Familie des heiligen Johannes von Gott, sich zur Verfügung zu stellen, um allen Personen zuzuhören, sie zu begleiten, zu betreuen und ihnen zu helfen, denn die persönlichen, familiären, sozialen und wirtschaftlichen Folgen der Pandemie, die wir gerade erleben, sind sehr groß und verursachen viel Leid. Auch in diesem Bereich schlägt heute für den ganzen Orden und einem jeden von uns die Stunde der Hospitalität... die Stunde, zuzuhören, zu begleiten und Hoffnung zu geben.


Inmitten der schmerzvollen Situation, in der wir leben, spricht der Geist des auferstandenen Herrn weiterhin zu uns durch die vielen Zeichen der barmherzigen und mitfühlenden Liebe, die wir jeden Tag in unseren Zentren und in der ganzen Welt erleben dürfen. Darüber hinaus ist der Heilige Geist, den wir bald zu Pfingsten empfangen dürfen, weiterhin inmitten seiner Kirche und unseres Ordens gegenwärtig und zeigt uns neue Wege, Gottes barmherzige und mitfühlende Liebe durch die Hospitalität sichtbar zu machen. Die Möglichkeiten zu helfen, die ich eben angedeutet habe, sind nur einige Beispiele, die ich Sie einlade, in jeder Provinz, jeder Kommunität und jedem Werk zu konkretisieren, denn der Geist des Herrn sagt zu einem jeden von uns: Dies ist die Stunde der Hospitalität: Brecht auf!


Wie in jedem meiner Schreiben seit Beginn der Pandemie möchte ich auch in diesem noch einmal allen Brüdern, Mitarbeitern und Freiwilligen meinen aufrichtigen Dank für ihren beispielhaften und großherzigen Dienst aussprechen. Mit Ihrer Arbeit bezeugen Sie das Beste, was unsere Institution zu bieten hat: Gastfreundschaft und Dienstbereitschaft für jeden Menschen. Der heilige Johannes von Gott ist stolz auf Sie!


Seit mehr als zwei Monaten ist das Leben der Generalleitung auf Italien, eigentlich auf die Generalkurie in Rom, beschränkt. Nun sind die Maßnahmen gelockert worden, aber Reisen und viele der geplanten Treffen sind immer noch nicht möglich. Einige, wie z.B. die Sitzungen des Generaldefinitoriums, konnten wir per Videokonferenz abhalten, um zumindest die dringendsten Dinge zu behandeln. Wir wissen immer noch nicht, wann wir zum normalen Betrieb zurückkehren können, aber wir befürchten, dass dies noch einige Zeit dauern wird, auch wenn sich nach und nach einige Dinge lösen werden. Vorerst mussten wir alle bis Juli geplanten kanonischen Generalvisitationen sowie alle in Rom geplanten Treffen absagen. Wir sahen uns auch gezwungen, die Versammlungen, die im Zusammenhang mit dem Zusammenschluss der spanischen bzw. lateinamerikanischen Provinzen für Juni bzw. Juli geplant waren, zu verschieben. Je nachdem, wie sich die Pandemie entwickelt, werden wir sehen, ob die von der Generalleitung geplanten Aktivitäten von August bis Ende des Jahres durchgeführt werden können.


In meiner Osterbotschaft teilte ich Ihnen mit, dass am 1. Mai die Feier des Jubiläumsjahres aus Anlass des 30. Jahrestages der Heiligsprechung des heiligen Richard Pampuri zu Ende gegangen ist. Wie erinnerlich, war das Jubiläumsjahr von S.E. Msgr. Corrado Sanguineti, Bischof von Pavia, veranlasst worden. Der Orden hat daran vor allem mit der Mailändischen Provinz teilgenommen. Heute darf ich Ihnen mitteilen, dass angesichts der Tatsache, dass die Coronakrise Italien für mehr als zwei Monate lahmlegte, die Apostolische Pönitentiarie auf Antrag des Bischofs von Pavia die Verlängerung des Jubiläumsjahres bis zum 1. Mai 2021 erlaubt hat.


Lassen Sie mich dieses Schreiben mit einigen Worten von Papst Franziskus schließen: "Jetzt, da wir an eine langsame und mühsame Erholung von der Pandemie denken, schleicht sich genau diese Gefahr ein: dass man diejenigen vergisst, die zurückgeblieben sind. Es besteht die Gefahr, dass uns ein noch schlimmeres Virus trifft, und zwar das eines gleichgültigen Egoismus. Es überträgt sich ausgehend von der Idee, dass das Leben besser wird, wenn es besser wird für mich, dass alles gut ausgeht, wenn es gut ausgeht für mich. Damit fängt es an, und schließlich gelangt man dazu, Menschen auszuwählen, die Armen auszusondern und diejenigen auf dem Altar des Fortschritts zu opfern, die dahinter zurückbleiben. Diese Pandemie erinnert uns jedoch daran, dass es keine Unterschiede und keine Grenzen zwischen den Betroffenen gibt. Wir sind alle zerbrechlich, alle gleich, alle wertvoll. Das was geschieht, rüttelt uns auf. Es ist an der Zeit, die Ungleichheit zu beseitigen, die Ungerechtigkeit zu heilen, die die Gesundheit der gesamten Menschheit bedroht!" (Homilie am Barmherzigkeitssonntag, Rom 19. April 2020). Es ist an der Zeit, gelebte Gastfreundschaft zu bezeugen, bei den Kranken, Armen und Bedürftigen, bei den Verletzlichsten, die am meisten davon bedroht sind, vom Virus des gleichgültigen Egoismus ausgesondert zu werden.


Im Band der Hospitalität und des Gebets grüßt Sie brüderlich

      

Frater Jesús Etayo

Generalprior


Rom, 28. April 2020

COVID - 19 (5)

 

An alle Brüder, Mitarbeiter und Mitglieder der Hospitalfamilie des heiligen Johannes von Gott

Liebe Brüder, liebe Mitarbeitende, liebe Freunde,

die Coronavirus-Pandemie breitet sich weiter aus und hat praktisch die ganze Welt erreicht. Die Infektionen nehmen täglich zu, ebenso wie die Zahl der Todesfälle. Gott sei Dank wird aber auch die Zahl der geheilten Menschen jeden Tag größer.

Was sich zurzeit allenthalben ändert, sind die Phasen, mit denen die verschiedenen Länder auf die Pandemie reagieren. Während viele Länder gerade erst mit Schutzmaßnahmen begonnen haben oder sich noch in der Eindämmungsphase befinden, bereiten sich andere Länder bereits mit Lockerungsmaßnahmen auf die nächste Phase vor. Diese Phase ist mit vielen Zweifeln und Unsicherheiten verbunden, was in dieser Phase eines "Lebens mit dem Virus" geschehen kann, da es noch viele Dinge an diesem Virus gibt, die wir nicht kennen.

Was die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf den Orden betrifft, so sind die Daten nach den uns vorliegenden Informationen wie folgt. Bisher haben sich insgesamt 43 Brüder infiziert. Von diesen sind, wie ich bereits in meinem letzten Brief geschrieben habe, 5 gestorben. 24 sind inzwischen wieder geheilt; 14 sind weiterhin positiv, aber auf dem Weg der Genesung. Von letzteren stammen 8 aus den spanischen Provinzen, 4 aus der Provinz vom Guten Hirten (einer davon gehört zur Provinz in Korea, er absolviert zurzeit eine Studienzeit in Kanada), einer aus der Französischen Provinz und einer aus der Lombardischen Provinz. Wir hoffen, dass sie sich alle bald erholen.

Über die Anzahl infizierter Mitarbeiter haben wir keine genauen Daten. Wir wissen nur, dass viele, die sich infiziert haben, inzwischen wieder gesund sind und an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt sind. Derzeit sind jedoch immer noch mindestens 300 Mitarbeiter infiziert, insbesondere in Spanien, Italien und zuletzt auch in Kolumbien, wo, wie wir vor einigen Tagen erfahren haben, sich 42 Mitarbeiter in einer unserer Einrichtungen in Bogotá infiziert haben. In Afrika haben wir nach den uns vorliegenden Nachrichten immer noch einige wenige Infizierte im Krankenhaus von Monrovia (Liberia). Aus den übrigen Teilen der Welt haben wir keine Nachrichten von weiteren Infizierten.  

In mehreren unserer Krankenhäuser und Zentren sind Patienten an Covid-19 gestorben. Andererseits sind auch mehrere Heimbewohner in Alten- und Pflegeheimen des Ordens an dem Virus gestorben, entweder in den Zentren selbst oder in Krankenhäusern, in die sie überwiesen wurden. Ihnen allen und ihren Familien gilt unser Gebet und unser Beileid.

Die Pandemie verursacht nicht nur Gesundheitsprobleme, die zweifellos vordringlich bewältigt werden müssen. Wir sehen bereits jetzt sehr deutlich, dass sich infolge der Pandemie eine große Krise auf wirtschaftlicher, sozialer, psychologischer und spiritueller Ebene abzeichnet. Wir sind sehr besorgt darüber, weil davon die ganze Welt und insbesondere die schwächsten Menschen und Nationen betroffen sein werden.

Es wird nicht einfach sein, überall den Fortbestand unserer Einrichtungen zu sichern. An einigen Orten wurde bereits aufgrund der rückgehenden Auslastung Kurzarbeit eingeführt, andernorts gibt es klare Anzeichen für eine drohende Wirtschaftskrise, wiederum woanders hat man  Angst, ein Zentrum wegen erhöhter Ansteckungsgefahr oder fehlender Ressourcen schließen zu müssen. Deswegen ist es ab sofort notwendig, den Betrieb jedes Zentrums unter Berücksichtigung all dieser Faktoren umsichtig zu managen und alle notwendigen und möglichen Maßnahmen zu ergreifen, um ihren Fortbestand zu sichern. Wie immer zählen wir dabei auf die Solidarität im Orden und aller seiner Provinzen, aber in der heutigen Situation  müssen wir bedenken, dass die derzeitige Krise eine weltweite Dimension hat und es schwierig sein wird, allen Bedürfnissen und Hilfsforderungen gerecht zu werden.

Angesichts des Ausmaßes der Krise, die wir erleben und die uns allem Anschein nach auch in den kommenden Monaten und Jahren begleiten wird, hat unser Orden, und mit ihm ein jeder von uns, die Aufgabe, das Beste zu geben. Damit meine ich: Hospitalität im Stil des heiligen Johannes von Gott. Wir alle, Brüder und Mitarbeiter, sind aufgerufen, hinauszugehen, um den Kranken, aber auch den armen und verletzlichsten Menschen zu helfen, die die Pandemie besonders hart trifft. Wir müssen dies natürlich mit allen notwendigen Schutzmaßnahmen tun, aber unser Auftrag der Hospitalität verlangt, uns selbstlos unseren Brüdern und Schwestern in Not zu widmen, wie es der heilige Johannes von Gott und viele Brüder vor uns getan haben.

Bei der Gelegenheit möchte ich daran erinnern, dass wir der geistlichen und religiösen Begleitung in unseren Zentren in dieser Situation besondere Aufmerksamkeit widmen müssen und sie nicht vernachlässigen dürfen. Unter Einhaltung geltender Schutzmaßnahmen ist es unsere Aufgabe, auch in dieser Zeit Patienten, Heimbewohnern, ihren Angehörigen, Mitarbeitern und Freiwilligen unsere geistliche und menschliche Hilfe zukommen zu lassen. Unsere Dienstgemeinschaft hat auch in dieser Zeit den Auftrag, allen Leidenden die Liebe Gottes sichtbar und erfahrbar zu machen.

Lassen Sie mich an dieser Stelle noch einmal allen Brüdern und Mitarbeitern für das Engagement und den vorbildlichen Dienst der Hospitalität danken, den Sie als treue Nachfolger des heiligen Johannes von Gott in dieser Zeit leisten. Es besteht kein Zweifel, dass alle unsere Kräfte gefordert sein werden, um den Kranken, Armen und Bedürftigen in dieser Stunde verlässlich zur Seite zu stehen. Heute ist die Stunde der Hospitalität. Wir sind vom Herrn und von der Kirche dazu berufen, lebendige Zeichen der Liebe Gottes für seine zerbrechlichsten und verletzlichsten Kinder zu sein.

Bevor ich schließe, möchte ich Ihnen ein kurzes Dokument vorstellen, das diesem Schreiben beiliegt und das von der Generalkommission für Bioethik unseres Ordens erstellt wurde, für die Frater Joaquim Erra, der erste Generalrat, verantwortlich ist. Es sind Überlegungen, die uns helfen können, mit Besonnenheit und Weitblick mit dieser Pandemie umzugehen, indem sie uns einige Kriterien im Einklang mit dem anbieten, was ich gerade in diesem Brief angedeutet habe, und uns einige Instrumente in die Hand geben, die uns allen nützlich sein können. Ich lade Sie ein, es zu lesen und an die Verantwortlichen der Gremien, Gruppen oder Foren für Bioethik, die es in den Provinzen und in den Häusern gibt, weiterzuleiten.

Ich schließe mit einem Auszug aus einer Botschaft, mit der sich die Provinz vom Guten Hirten am vergangenen 20. April an ihre Mitarbeiter gewandt hat. "Unser Auftrag ist: Hospitalität als radikale Antwort auf die Bedürfnisse der Mitmenschen zu leben. Heute denken wir viel über den Wert der menschlichen Würde nach. Unser Dienst der Hospitalität orientiert sich an den grundlegenden Menschenrechten wie dem gleichberechtigten Zugang zu Nahrung, Sicherheit, Wohnung, Gesundheitsversorgung und Bildung, die für die Würde des Menschen unabdingbar sind: Glaube vor Angst! (Faith over Fear!): Es ist verständlich, dass wir angesichts des derzeitigen Umfelds an unserem Arbeitsplatz in Angst und Sorge sind. Doch... wir sind nicht allein. Sie sind nicht allein. Wir werden das gemeinsam durchstehen.”

Ich glaube, das ist eine schöne und gute Weise, heute unseren Dienst der Hospitalität zu verstehen und zu konkretisieren: die Verteidigung der Würde der schwächsten und verletzlichsten Menschen, deren Zahl aufgrund dieser Pandemie stark zunehmen wird. Lassen wir uns nicht von Furcht überwältigen, sondern tragen wir den Glauben an den auferstandenen Herrn und die Hospitalität, die wir vom heiligen Johannes von Gott empfangen haben, mutig hinaus in die Welt, um Liebe, Solidarität und Würde zu allen Bedürftigen zu bringen, in denen wir dem auferstandenen Christus begegnen.

Mit brüderlichen Grüßen und in Gebetsverbundenheit, ganz besonders in diesen Tagen, an denen wir die Gebetswoche für neue Berufungen feiern    

 

Frater Jesús Etayo

Generalprior





Rom, 14. April 2020

COVID - 19 (4)



An alle Brüder, Mitarbeitende und Mitglieder der Hospitalfamilie des heiligen Johannes von Gott

Liebe Brüder, Mitarbeitende und Freunde,

in diesem Jahr haben wir die Karwoche und Ostern wegen der Coronavirus-Pandemie in den meisten Teilen der Welt auf eine ungewöhnliche und ungeahnte Weise gefeiert. Die Corona-Regeln haben in einer Großzahl von Länden dazu geführt, dass die Menschen, darunter auch wir Ordensleute, die Feierlichkeiten im Fernsehen oder im Internet miterlebt haben. Die Feierlichkeiten im Vatikan im leeren Petersdom bewirkten dabei ein besonders seltsames Gefühl. Aber so war Ostern in diesem Jahr. Trotzdem bleibt das Osterfest ein Fest der Freude und der Hoffnung, und schenkt uns auch in diesem Jahr die Überzeugung, dass das Leben, das uns der auferstandene Christus gebracht hat, das letzte Wort haben wird und uns helfen wird, diese Zeit des Schmerzes, des Leidens und des Todes zu überwinden.

Wie Sie wissen, breitet sich die Corona-Pandemie weiter aus und hat inzwischen praktisch jeden Winkel der Welt erreicht, auch wenn mit unterschiedlichen Auswirkungen. In den kommenden Wochen werden wir genauer wissen, wie sich die Pandemie auf die verschiedenen Kontinente und Länder auswirkt.


Gegenwärtig sind die Vereinigten Staaten die Nation mit der größten Zahl an Infizierten und Toten, gefolgt von mehreren europäischen Ländern, unter denen ganz besonders Italien, Spanien, Frankreich, Deutschland und das Vereinigte Königreich betroffen sind. Das Virus hat inzwischen auch Lateinamerika und Afrika erreicht, wo die Auswirkungen im Moment noch nicht sehr groß sind, obwohl wir die Entwicklung in den nächsten Wochen abwarten müssen. In Asien, Australien und Pazifik entwickelt sich die Situation gemäß früheren Informationen.

Ein großer Teil der Welt ist im sogenannten Lockdown und wartet darauf, dass man die Situation unter Kontrolle bringt. Vorerst hat nur China, mit einigen Einschränkungen, mit der Phase der Lockerung begonnen, da niemand genau weiß, wie sich das Virus verhält.


Was den Orden anbelangt, folgt Covid-19 den gleichen Mustern wie überall auf der auf Welt. Bis heute sind gemäß den Informationen, die wir erhalten haben, vier Brüder am Coronavirus gestorben (zwei aus Aragonien, einer aus Andalusien und einer aus Frankreich). Mehrere Brüder sind mit dem Virus infiziert, die meisten von ihnen in Spanien, einer in Italien und zwei in Frankreich, von denen einer, wie gesagt, gestorben ist. In Spanien sind inzwischen 12 Brüder wieder genesen und negativ getestet worden. 18 befinden sich noch im Heilungsprozess, was sich hoffentlich in den nächsten Tagen bestätigen wird. Des Weiteren sind, wie gesagt, ein Bruder aus der Mailändischen Provinz sowie einer aus Frankreich positiv.  

Unter den Mitarbeitenden gibt es eine beträchtliche Zahl von Infizierten, weil viele Krankenhäuser des Ordens Patienten mit Coronavirus behandeln. Wir haben keine genauen Daten, aber nach den uns vorliegenden Informationen wurden inzwischen über 300 Mitarbeiter, die meisten in Spanien und Italien - einige auch in anderen Ländern, darunter die ersten Fälle in Afrika - positiv auf das Coronavirus getestet. Viele Mitarbeitende sind außerdem in Quarantäne, weil sie mit infizierten Kollegen Kontakt hatten. Sie sind jedoch alle auf dem Weg der Genesung. Seit den letzten Informationen hatten wir keine Nachricht von Todesfällen.


Zurzeit gibt es viele Patienten mit Covid-19 in den Krankenhäusern des Ordens. Viele von ihnen erholen sich wieder, aber leider sterben auch einige. Es hat auch einige Todesfälle in Alten- und Pflegeheimen gegeben, obwohl hier im Allgemeinen sehr gute Arbeit geleistet wird, um Ansteckungen zu vermeiden.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich mit Nachdruck eine besondere Wachsamkeit in den Altenheimen, psychiatrischen Einrichtungen, Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen und Zentren für Obdachlose und Immigranten anmahnen. Wie Sie wissen, handelt es sich dabei um besonders gefährdete Lebensräume. Deswegen müssen alle notwendigen Maßnahmen getroffen werden, um eine Ansteckung zu vermeiden. Wenn wir nicht wachsam sind, kann das zu einem großen Problem werden. Wir müssen auf die Fachleute hören und uns an die festgelegten Regeln halten. Von Anfang an sollte es in diesen Zentren Quarantäneabteilungen geben, in denen diejenigen, die infiziert sind oder der Verdacht darauf besteht, streng von denjenigen getrennt sind, die es nicht sind, um Neuinfektionen um jeden Preis zu unterbinden.


Ich möchte an dieser Stelle den Verantwortlichen der Region Lateinamerika für die Koordinierungsarbeit danken, die sie unter den Provinzen und Delegaturen leisten, um nach einheitlichen Kriterien und Standards zu arbeiten. Ebenso wurde vor einigen Wochen ein Krisenstab für Afrika eingerichtet, der von der Stiftung Juan Ciudad koordiniert wird und an dem verschiedene Stellen und Verantwortliche des Ordens aus Europa (Irland, Holland, Italien), die Provinz vom hl. Augustinus sowie das Büro für Missionen und internationale Zusammenarbeit der Generalkurie beteiligt sind, mit dem Ziel, die Häuser der beiden Provinzen Afrikas zu beraten und ihnen zu helfen, die zu befolgenden Verfahren festzulegen, auftretende Probleme rechtzeitig zu erkennen und ihnen die Mittel zur Verfügung zu stellen, um das notwendige Schutzmaterial für die erste Phase zu beschaffen. Die Gruppe wird laufend beobachten, wie sich das Virus in Afrika ausbreitet und wie wir am besten unseren Häusern helfen können.

Ich möchte diese Mitteilung nicht abschließen, ohne noch einmal allen Brüdern und Mitarbeitern zu danken, die in diesen Tagen bis zur Erschöpfung arbeiten, um den Kranken und den in unseren Zentren betreuten Menschen und ihren Familien im Kampf gegen die Pandemie zu helfen. An einigen Orten scheint sich die Lage ein wenig verbessert zu haben, aber wir sind uns bewusst, dass die Situation weiterhin schwierig und angespannt bleibt. Ich danke Ihnen im Namen der gesamten Familie des heiligen Johannes von Gott.


Auch in der Generalkurie leben wir in einer Situation der Isolation. Das bedeutet, dass viele in dieser Zeit geplante Aktivitäten und Treffen abgesagt werden mussten. Manche Sitzungen konnten virtuell durchgeführt werden, bei anderen ist das nicht möglich. Wir wissen nicht, wie lange diese Situation andauern wird. Sobald sie endet, werden wir alle Initiativen, die nicht durchgeführt werden konnten, neu planen müssen. Wir werden diese Neuplanung zu gegebener Zeit mitteilen.

Ich danke den Provinzoberen für die Informationen, die Sie uns zukommen lassen, und lade Sie ein, uns weiterhin auf dem Laufenden zu halten, damit wir über möglichst aktuelle Informationen verfügen.


Die Situation ist nach wie vor sehr schwierig, und wir wissen nicht, wie lange sie anhalten wird. Vielerorts leben wir immer noch mit starken Einschränkungen, und die Realität ist hart. Lasst uns in dieser Osterzeit zuversichtlich auf den auferstandenen Christus vertrauen, der uns zeigt, dass Hospitalität auch in dieser Zeit des Coronavirus eine angemessene und wirksame Antwort auf Leiden und Tod ist. Liebe Brüder und Mitarbeiter, bezeugen wir weiterhin mutig die Hospitalität des heiligen Johannes von Gott zum Wohle der Kranken und Bedürftigen, der Kirche und der Welt.

Lasst uns weiterhin füreinander und für die Welt beten, insbesondere für diejenigen, die am meisten unter dieser Pandemie leiden. Empfehlen wir dem auferstandenen Herrn unsere Brüder, Mitarbeiter und Familienmitglieder, die gestorben sind, und diejenigen, die in diesen Tagen mit der Krankheit kämpfen.


Mit brüderlichen Grüßen      


Frater Jesús Etayo

Generalprior




Rom, 30. März 2020

COVID - 19 (3)


 

An alle Brüder, Mitarbeiter und Mitglieder der Hospitalfamilie des heiligen Johannes von Gott


Liebe Brüder und Schwestern, ich schreibe Ihnen erneut, um Ihnen die Nähe unserer Familie in dieser schweren Zeit zu vermitteln und Sie über die Situation in unseren Konventen und Einrichtungen im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie zu informieren, die sich immer weiter ausbreitet und inzwischen fast alle Länder der Welt erreicht hat.

Die Medien überhäufen uns täglich mit Daten, wie sich die Pandemie weltweit entwickelt. Bis heute gab es weltweit mehr als 700.000 nachgewiesene Infektionen, 34.0000 Todesfälle und 149.000 Heilungen. Die Vereinigten Staaten sind die Nation mit den meisten nachgewiesenen Infektionsfällen bisher, aber es ist immer noch Europa, vor allem Italien und Spanien, gefolgt von Frankreich, Deutschland und anderen Ländern, wo die Pandemie sich am stärksten spürbar macht und immer mehr Todesopfer fordert. Leider ist das Virus, wie ich bereits letzte Woche schrieb, inzwischen auf allen Kontinenten präsent und in immer mehr Teilen der Welt ergreift man immer restriktivere Präventivmaßnahmen. China ist derzeit das einzige Land, in dem die Epidemie zurückzugehen scheint und einige restriktive Maßnahmen wieder gelockert wurden. Die Epidemie hat in etlichen Ländern zu einer ernsten Krise im Gesundheitswesen geführt, deren Ausmaß wir noch nicht in ihrer ganzen Tragweite abschätzen können. Dazu kommt, dass sich über kurz oder lang auch eine bedeutende wirtschaftliche und soziale Krise abzeichnet.


Was die Zentren und Häuser des Ordens betrifft, so ist die beunruhigendste Situation unter Berücksichtigung der Informationen, die uns bisher erreicht haben, nach wie vor in Italien und Spanien, obwohl es, wie ich bereits sagte, in praktisch allen Ländern, in denen der Orden präsent ist, bereits Fälle von Covid-19 gibt und die notwendigen Maßnahmen ergriffen wurden, zumindest hoffen wir das.

Unter den Brüdern gibt es bisher einen infizierten Bruder in Italien und 14 in Spanien. Gegenwärtig ist die Mehrheit von ihnen in Quarantäne in den jeweiligen Konventen. Einige mussten stationär im Krankenhaus aufgenommen werden, wo sie medizinisch versorgt werden.


Was die Mitarbeiter betrifft, so kann ich Ihnen, obwohl wir nicht über genaue Informationen aus allen Provinzen verfügen, sagen, dass es inzwischen mindestens 280 unter ihnen gibt, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Dies hat in einigen Einrichtungen zu einer angespannten Personalsituation geführt, da durch die Infektionen zahlreiche andere Mitarbeiter unter Quarantäne gestellt werden mussten, die Kontakt mit den nachweislich infizierten Kollegen hatten.

Durch Covid-19 verursachte Todesfälle hat es in unseren Häusern bisher in erster Linie unter den Patienten gegeben, insbesondere in den Krankenhäusern, die auf Wunsch der öffentlichen Behörden Patienten mit Coronavirus behandeln. Was die Brüder betrifft, so sind bisher zwei Brüder gestorben. Einer, von dem ich bereits letzte Woche berichtete, war 97 Jahre alt, der andere 88. Die anderen Todesfälle, die es letzte Woche unter den Brüdern gab, stehen nicht im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Unter den Mitarbeitern hat es einen Todesfall in Italien gegeben. Hier verstarb ein Mitarbeiter an Covid, der beurlaubt war.


Ich möchte noch einmal allen Brüdern und Mitarbeitern danken, die in diesen Tagen an vorderster Front stehen und ihr Bestes tun, um den Kranken und ihren Familien im Kampf gegen die Pandemie zu helfen. Wir wissen, dass Sie dies vermehrt unter sehr schwierigen Bedingungen tun, insbesondere in den am stärksten betroffenen Ländern, aufgrund des Mangels an Material und der steigenden Zahl von Kranken, die zu Ihnen kommen. Ich danke Ihnen viel tausendmal. Seien Sie versichert: der heilige Johannes von Gott steht an ihrer Seite und begleitet Sie mit seiner Gegenwart und seiner Fürsprache.

Am vergangenen Freitag, 27. März, betete Papst Franziskus anlässlich der Pandemie allein auf dem Petersplatz im Vatikan und erteilte den Urbi et Orbi-Segen. Im Rahmen seines Gebets sagte er nach der Lektüre eines Textes aus dem Markus-Evangelium einige Worte, die voller Tiefe und Licht sind. Ich möchte hier für uns noch einmal einige Absätze in Erinnerung rufen:


"Der Sturm legt unsere Verwundbarkeit bloß und deckt jene falschen und unnötigen Gewissheiten auf, auf die wir bei unseren Plänen, Projekten, Gewohnheiten und Prioritäten gebaut haben. Er macht sichtbar, wie wir die Dinge vernachlässigt und aufgegeben haben, die unser Leben und unsere Gemeinschaft nähren, erhalten und stark machen.”

"»Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?« Der Anfang des Glaubens ist das Wissen, dass wir erlösungsbedürftig sind. Wir sind nicht unabhängig, allein gehen wir unter. Wir brauchen den Herrn so wie die alten Seefahrer die Sterne. Laden wir Jesus in die Boote unseres Lebens ein. Übergeben wir ihm unsere Ängste, damit er sie überwinde. Wie die Jünger werden wir erleben, dass wir mit ihm an Bord keinen Schiffbruch erleiden. Denn das ist Gottes Stärke: alles, was uns widerfährt, zum Guten zu wenden, auch die schlechten Dinge. Er bringt Ruhe in unsere Stürme, denn mit Gott geht das Leben nie zugrunde.”


“Das eigene Kreuz anzunehmen bedeutet, den Mut zu finden, alle Widrigkeiten der Gegenwart anzunehmen und für einen Augenblick unser Lechzen nach Allmacht und Besitz aufzugeben, um der Kreativität Raum zu geben, die nur der Heilige Geist zu wecken vermag. Es bedeutet, den Mut zu finden, Räume zu öffnen, in denen sich alle berufen fühlen, und neue Formen der Gastfreundschaft, Brüderlichkeit und Solidarität zuzulassen. Durch sein Kreuz sind wir gerettet, damit wir die Hoffnung annehmen und zulassen, dass sie alle möglichen Maßnahmen und Wege stärkt und unterstützt, die uns helfen können, uns selbst und andere zu beschützen. Den Herrn umarmen, um die Hoffnung zu umarmen – das ist die Stärke des Glaubens, der uns von der Angst befreit und uns Hoffnung gibt.”

»Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?« Liebe Brüder und Schwestern, von diesem Ort aus, der vom felsenfesten Glauben Petri erzählt, möchte ich heute Abend euch alle dem Herrn anvertrauen und die Muttergottes um ihre Fürsprache bitten, die das Heil des Volkes Gottes und der Meerstern auf stürmischer See ist. Von diesen Kolonnaden aus, die Rom und die Welt umarmen, komme der Segen Gottes wie eine tröstende Umarmung auf euch herab. Herr, segne die Welt, schenke Gesundheit den Körpern und den Herzen Trost. Du möchtest, dass wir keine Angst haben; doch unser Glaube ist schwach und wir fürchten uns. Du aber, Herr, überlass uns nicht den Stürmen. Sag zu uns noch einmal: »Fürchtet euch nicht« (Mt 28,5). Und wir werfen zusammen mit Petrus „alle unsere Sorge auf dich, denn du kümmerst dich um uns“ (vgl.  1 Petr 5,7).”


Ich danke den Patres Provinzialen für die Informationen, die Sie uns senden, und bitte Sie, dies auch weiterhin zu tun. Die Situation ist nach wie vor sehr ernst, und wir wissen nicht, wie lange sie anhalten wird. Fürchten wir uns nicht, wie Papst Franziskus uns sagt, stärken wir unseren Glauben und unsere Hoffnung auf den Herrn und stellen wir das Beste von uns selbst in den Dienst der Kranken und Bedürftigen im Zeichen der Hospitalität, wie es unsere Brüder vor uns getan haben und wie unser Gründer, der heilige Johannes von Gott, es uns gelehrt hat. Helfen wir uns gegenseitig, in den Häusern, unter den Häusern der Provinz und unter den Provinzen jeder Region. Die Lösung dieses Problems kann nicht allein gefunden werden; wir müssen sie alle gemeinsam suchen, zusammenarbeiten und das, was wir haben, in den Dienst der anderen stellen. In diesem Sinn ist es ein Gebot der Stunde, diese Pandemie in einem Netzwerk zu bekämpfen. Niemand darf nur auf sich selbst schauen und vor den Bedürfnissen der anderen die Augen verschließen.

Lasst uns alle weiterhin füreinander und für die Welt beten, insbesondere für diejenigen, die am meisten unter der Pandemie leiden.  Mit geschwisterlichen Grüßen    


 

Frt. Jesús Etayo

Generalprior



Rom, 23. März 2020

COVID - 19 (2)

 

An alle Brüder, Mitarbeiter und Mitglieder der Hospitalfamilie des heiligen Johannes von Gott

Eine Woche nach meiner letzten Mitteilung möchte ich Sie über die Situation in den Einrichtungen und Konventen des Ordens in Bezug auf die Coronavirus-Pandemie informieren, die sich zunehmend ausbreitet und immer mehr Länder in der ganzen Welt betrifft.

Durch die Medien wissen sie, dass sich das Virus an immer mehr Orten verbreitet und immer mehr Menschen betrifft. Das Epizentrum liegt nach wie vor in Europa, wo fast alle Länder betroffen sind und zunehmend restriktive Maßnahmen ergriffen haben. Italien und Spanien, gefolgt von Frankreich, Deutschland und dem Vereinigten Königreich, sind die Länder mit den meisten Infizierten und Todesfällen. Die Situation ist ganz besonders in Italien und Spanien immer kritischer, in denen die Zahl der Infizierten und Toten Zahlen erreicht hat, mit denen niemand gerechnet hat. Das Schlimmste ist, dass es keine Gewissheit gibt, wann diese Zahlen abflachen werden und die Situation einigermaßen wieder unter Kontrolle gebracht werden kann. In den beiden Ländern ist das Gesundheitssystem in einigen spezifischen Bereichen bereits an die Grenzen seiner Belastbarkeit gelangt, und das macht alles schwieriger.

Außerhalb Europas nehmen die Fälle in den Vereinigten Staaten und in Kanada zu. Auch in fast allen Ländern Lateinamerikas und der Karibik gibt es erste Fälle und wurden strenge Maßnahmen zur Verhinderung einer Epidemie eingeleitet.

In Asien scheint die Situation in China und auch in Südkorea unter Kontrolle zu sein, wenn auch immer noch mit sehr weitgehenden restriktiven Maßnahmen. Im übrigen Asien, in Australien und im Pazifik, gibt es ebenfalls eine Reihe von restriktiven Maßnahmen, um das Virus einzudämmen.

Leider scheint die Pandemie auch Afrika erreicht zu haben, und es wird allenthalben gefordert, dass alle Länder Gegenmaßnahmen ergreifen, um eine Ausbreitung zu verhindern, da es in Afrika zusätzliche Schwierigkeiten geben könnte. Viele Nationen haben inzwischen Maßnahmen ergriffen, hoffentlich können sie die Ausbreitung eindämmen.

Was die Einrichtungen und Konvente des Ordens betrifft, so kann ich Ihnen unter Berücksichtigung der Informationen, die uns bisher erreicht haben, Folgendes mitteilen:

Es gibt in keinem Haus des Ordens infizierte Brüder oder Mitarbeiter, außer in

Italien: Hier gibt es im Moment keine infizierten Brüder, aber es gibt mehrere Mitarbeiter in der Mailändischen Provinz und im Krankenhaus der Tiberinsel in Rom, die positiv getestet wurden. Das größte Problem besteht im Moment in Norditalien, wo die Krankenhäuser  an die Grenzen ihrer Kapazität gelangt sind. Unser Haus in Erba leidet in dieser Hinsicht am meisten, im Rest Italiens ist die Situation im Moment besser.

Spanien: Hier haben wir zurzeit die meisten Personen aus dem Orden, die betroffen sind. Ein Bruder, 97 Jahre alt, ist am Coronavirus gestorben, und neun Brüder aus den drei Provinzen und eine Ordensschwester, die in einem unserer Zentren arbeitet, sind infiziert, obwohl sie im Moment gesund sind, nicht ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen und einige sogar asymptomatisch sind. Was die Mitarbeiter anbelangt, so wurden etwa 100 von ihnen positiv auf Covid-19 getestet. Madrid ist nach wie vor das Krisenzentrum, gefolgt von Katalonien und dem Baskenland.

Österreich: Die Situation ist besser unter Kontrolle als in den beiden vorgenannten Ländern, aber am 19. März gab es auch hier bereits mindestens sechs infizierte Mitarbeiter.

Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass die infizierten Personen, Brüder wie Mitarbeiter, eine Kettenreaktion auslösen, in dem Sinn, dass eine beträchtliche Anzahl von Personen, mit denen sie Kontakt hatten, unter Quarantäne gestellt oder isoliert werden müssen.

Ich bitte alle, sich im Gebet mit der ganzen Kirche und der gesamten Familie des heiligen Johannes von Gott zu vereinen, um zum Herrn zu beten für alle Kranken und Betroffenen, in besonderer Weise für alle Mitglieder unserer Familie, Brüder und Mitarbeiter, die infiziert sind.

Ich möchte im Namen des ganzen Ordens allen Brüdern und Mitarbeitern danken, die in diesen Tagen ihr Bestes tun, um den Kranken und ihren Familien im Kampf gegen die Pandemie zu helfen. Wir sind sehr stolz auf Sie, weil Sie mit ihrem mutigen Tun das Charisma und den Dienst der Hospitalität konkret leben, jenseits der vielen Reden und Worte, die wir gerade hören. Mit Ihrem konkreten Dienst, der Ihnen oft alles abverlangt, mit Ihrem Lächeln, auch wenn Ihnen nicht nach Lächeln zumute ist, mit Ihrer ständigen Suche nach Mitteln und Möglichkeiten, um besser helfen zu können, sind Sie heute der neue barmherzige Samariter, der neue Johannes von Gott, der sich zum Wohl der Kranken, der Ängstlichen, des alten Mannes, der sich fürchtet, des jungen Mannes, der sich Sorgen macht, einsetzt. Sie sind für die Kranken der Erzengel Raphael, der ihnen Trost, Gottes Liebe, Zärtlichkeit und Menschlichkeit bringt. Dafür danke Ihnen von Herzen. Dafür haben Sie den Beifall verdient, den immer mehr Menschen in vielen Ländern öffentlich den Gesundheitsberufen zollen. Dank Ihnen spüren wir, dass der Herr uns nicht vergessen hat, dank Ihnen haben wir Hoffnung und dank Ihnen vertrauen wir darauf, dass dieser Kampf gewonnen wird.

In einigen Ländern hat sich das Virus noch nicht bemerkbar gemacht oder hat es bisher nur eine sehr geringe Auswirkung. Trotzdem bitte ich Sie alle, Brüder und Mitarbeiter, falls Sie dies noch nicht getan haben, unverzüglich alle notwendigen Präventivmaßnahmen in den Zentren und in den Konventen zu ergreifen. Diese Pandemie ist viel schwerwiegender, als wir alle dachten, und wir wissen immer noch nicht, wie gefährlich sie uns werden kann. Bitte ergreifen Sie alle notwendigen Maßnahmen, die von den Behörden empfohlen werden. Ich wende mich besonders an die Länder in Afrika, wo die Erinnerung an die Ebola-Epidemie noch frisch ist. Rüsten Sie sich und ergreifen Sie alle Maßnahmen und Regelungen, um aus der bitteren Erfahrung anderer zu lernen.

Wir sind in der Fastenzeit auf dem Weg nach Ostern. Lassen sie uns diese liturgische Zeit mit dem Schmerz und der Trauer leben, die bei uns allen die Pandemie hervorruft, aber auch mit der Hoffnung auf den Herrn des Lebens und der Zuversicht, dass wir mit seiner Hilfe diesen schwierigen Moment überwinden werden.  

Ich bitte die Provinz- und Hausoberen sowie die Leiter unserer Einrichtungen, in den Provinzen und Konventen sowie in allen Einrichtungen die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um eine Ansteckung zu vermeiden, gegebenenfalls in den Konventen auch durch die vorläufige Aussetzung aller Gemeinschaftsversammlungen.

Ich danke den Provinzialen für die Informationen, die Sie uns über die Auswirkungen der Pandemie gesandt haben. Tun Sie dies weiterhin, denn so können wir den gesamten Orden informieren und ihnen vor allem nahe sein.

Wir erleben eine schwere Zeit und es sieht nicht danach aus, dass sich die Dinge in Kürze verbessern werden. Mit den richtigen Vorkehrungen und Regelungen, mit einer gezielten Sorge um uns selbst und um die anderen, ist es heute ein Gebot der Hospitalität, uns in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen und mit gutem Beispiel voranzugehen, wie es viele Brüder vor uns getan haben. Denken wir an den heiligen Johannes Grande, der 1600 in Jerez de la Frontera in Spanien sich furchtlos um die Pestkranken kümmerte und schließlich selbst an den Folgen der Pest starb oder aber auch an unsere Brüder, die vor einigen Jahren ihr Leben in der Ebola-Krise in Afrika aufopferten.

Lasst uns füreinander und für die Welt beten, besonders für diejenigen, die zurzeit am stärksten unter der Pandemie leiden.

Mit brüderlichen Grüßen      

 

Frater Jesús Etayo

Generalprior

 



An alle Brüder, Mitarbeitende und Mitglieder der Familie des heiligen Johannes von Gott

Zuallererst möchte Ihnen allen meine herzlichsten Grüße übermitteln, in der Hoffnung, dass es Ihnen gut geht. Sodann möchte ich Sie kurz über die Situation informieren, die sich durch die Coronavirus-Pandemie in den Häusern des Ordens ergeben hat.

Wie Sie wissen, hat die Pandemie in China begonnen. Die ersten Nachrichten darüber gab es Ende Dezember letzten Jahres. Die Epidemie hat sich schnell auf andere Länder wie Südkorea und den Iran und dann auf Europa ausgebreitet, wo sich, wie es jetzt heißt, das Epizentrum der Pandemie befindet. Doch obwohl es weniger Fälle gibt, breitet sich die Epidemie zunehmend auch auf andere Länder in Ozeanien, Amerika und Afrika aus. Sie werden die Entwicklung sicher selbst über die Medien verfolgen. Die Pandemie hat bereits zu einer erheblichen Anzahl von Infektionen und Todesfällen geführt.

Was den Orden betrifft, so stellt sich die Situation nach den uns heute vorliegenden Daten wie folgt dar:

China: Von der Gemeinschaft, die wir in Yanji haben (der einzigen Ordensniederlassung in China), sind keine Brüder betroffen. Wir haben jedoch seit längerem nichts mehr von Frater Joseph Han, einem chinesischen Scholastiker, gehört, der Anfang Februar in Peking isoliert wurde. Der Prior von Yanji tut sein Bestes, um mit ihm Kontakt aufzunehmen, vorerst ohne Erfolg.

 

Südkorea: Die Pandemie hat eine große Zahl von Infizierten verursacht, aber es gibt keine betroffenen Brüder, und laut den letzten Nachrichten, die wir haben, gibt es auch keine Fälle unter den Mitarbeitenden.

 

Italien: Die Situation ist sehr ernst. Im Moment gibt es keine betroffenen Brüder, aber es gibt mehrere Fälle unter den Mitarbeitern und auch infizierte Patienten, die in einigen unserer Zentren betreut werden. Vor allem in Norditalien, wo wir die Mailändische Provinz haben, ist die Situation sehr schwierig und wird die Gefahr von Tag zu Tag größer, dass die Kapazität des Gesundheitssystems überfordert wird. Im Moment ist die Lage in Rom, in Mittelitalien und in Süditalien, wo die Römische Ordensprovinz mehrere Einrichtungen hat, etwas besser, obwohl in den nächsten Tagen mit einer erheblichen Zunahme der Fälle gerechnet wird. Es gibt einen Aufruf der Regierung, zu Hause zu bleiben. In der Generalkurie geht es uns gut, praktisch alle Mitarbeiter arbeiten von zu Hause aus. Viele andere Mitarbeiter der Zentren arbeiten ebenfalls von zu Hause aus, entweder aufgrund der neuen angeordneten Arbeitsweise (Homeoffice) oder aufgrund auferlegter Isolation.

 

Spanien: Die Situation hat sich in den letzten Tagen verschärft und ist auf dem Weg, sich so zu entwickeln wie in Italien. Im Moment gibt es einen Bruder aus dem Konvent von Ciempozuelos, der positiv getestet wurde, aber es geht ihm gut und er befolgt die in diesen Fällen vorgesehenen medizinischen Vorsichtsmaßnahmen. Allerdings ist eine große Anzahl von Mitarbeitern betroffen bzw. bereits isoliert, insbesondere in einigen Zentren in Madrid und Barcelona, wo zwei der stärksten Infektionsherde in Spanien lokalisiert wurden.

 

Übriges Europa: Die Auswirkungen der Pandemie sind unterschiedlich, aber sie nehmen in praktisch allenLändern zu, insbesondere in Deutschland, Frankreich und dem Vereinigten Königreich. Im Moment haben wir keine Nachricht von Betroffenen aus Einrichtungen und Konventen des Ordens.

 

Vereinigte Staaten und Kanada: Wir haben keine Nachricht von Betroffenen aus Einrichtungen und Konventen des Ordens.

 

Ozeanien: Wir haben keine Nachricht von Betroffenen aus Einrichtungen und Konventen des Ordens.

 

Lateinamerika und Karibik: Wir haben keine Nachricht von Betroffenen aus Einrichtungen und Konventen des Ordens.

 

Afrika: Wir haben keine Nachricht von Betroffenen aus Einrichtungen und Konventen des Ordens.

 

Asien und Pazifik: Wir haben keine Nachricht von Betroffenen aus Einrichtungen und Konventen des Ordens.

Dies sind die Informationen, die wir Ihnen vorerst in diesen schwierigen Zeiten der Coronavirus-Pandemie geben können. Die Daten sind, wie bei jeder Pandemie, sehr ungewiss und können  sich sehr schnell ändern. Ich bitte Sie alle, sich an die Regeln und Vorsichtsmaßnahmen zu halten, die in den verschiedenen Ländern zum Schutz vor dem Virus erlassen werden.

Ich bitte alle Provinzoberen, wo immer sie es für angebracht und notwendig halten, strikte Normen für die Häuser und für die Brüder und Gemeinschaften anzuordnen, um der Ansteckungsgefahr in zweifacher Hinsicht Einhalt zu gebieten: sich nicht anzustecken und andere nicht anzustecken. Dies könnte unter anderem vorsehen, dass die Brüder von bestimmten Aktivitäten, wie z.B. dem Abhalten von Versammlungen und Treffen, befreit werden. An den Orten, an denen die Brüder in den Konventen noch zahlreich sind, kann, wenn man es für notwendig befindet, das gemeinsame Gebet und sogar die Eucharistie ausgesetzt werden.

Wir leben derzeit, zumindest dort, wo die Pandemie bereits stark spürbar ist, in einem Ausnahmezustand. Als Barmherzige Brüder ist es unsere Aufgabe, dass unsere Einrichtungen gerüstet und so gut wie möglich vorbereitet sind, um der Gesellschaft bei der Bekämpfung dieser Pandemie zu helfen und mit den Verantwortlichen zusammenzuarbeiten. Die Brüder, die nicht direkt in der Pflege tätig sind, sollten ihr persönliches und, wenn möglich, gemeinschaftliches Gebet intensivieren und auf die Fürsprache des heiligen Johannes von Gott zum Herrn beten, für die Kranken, für die Sterbenden und für die Ärzte und anderen Gesundheitsberufe sowie das gesamte Krankenhauspersonal, die unermüdlich für die Pflege der Kranken arbeiten.

Ich bitte Sie alle, liebe Brüder und Mitarbeitende, sich um die Einhaltung der verordneten Notfallregeln zu kümmern. Vor allem die älteren Brüder und die gefährdeten Personen in den am stärksten betroffenen Regionen bitte ich, zu Hause zu bleiben und den Anweisungen der Behörden zu folgen, auch wenn es Sie Mühe kostet.

Ich bitte alle Provinzoberen, uns regelmäßig über die Situation in ihrer Provinz zu informieren, damit wir über die Entwicklung der Pandemie im Bild sind und den ganzen Orden informieren können.

Dies sind harte Zeiten für die Welt, aber es sind Zeiten, in denen auch das Beste der Menschheit zum Tragen kommen kann: Hospitalität, Solidarität, Zusammenarbeit und Engagement. Wir sollen uns berechtigte Sorge machen, aber diese Sorge stets aus dem Glauben und der Hoffnung auf den Herrn leben. Der Herr ist mit uns, er teilt unser Leid, in ihn setzen wir all unser Vertrauen und unsere Hoffnung, um diesen Krisenmoment zu überwinden, der nach Ansicht der Experten leider noch einige Zeit dauern wird.

Lasst uns füreinander und für die Welt beten, besonders für diejenigen, die am meisten unter der Pandemie leiden.

Mit brüderlichen Grüßen      

 

Frater Jesús Etayo

Generalprior

 
 

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